Hidden Champion #7 – Proxima Fusion

Unternehmen: Proxima Fusion
Standort: München
Gründung: 2023
Technologie: Quasi-isodynamischer Stellarator (magnetische Kernfusion)
Anwendungsbereich: Energieversorgung / Fusionsenergie
Besonderheit: Entwickelt ein kommerzielles Stellarator-Kraftwerk auf Basis von Wendelstein 7-X
Schlüsselrohstoffe: Yttrium (YBCO)
„Das geht nicht." – Wie ein Münchner Start-up die Kernfusion neu denkt
Es gibt einen Satz, der die Geschichte des Fortschritts begleitet: „Das geht nicht.“
Hätten wir diesen Satz akzeptiert, gäbe es keine Flugzeuge, keine Stahlschiffe und keine Mondlandung. Jede dieser Gewissheiten wurde widerlegt, durch neue Werkstoffe, bessere Werkzeuge und kluge Ingenieure.
Eine moderne Version dieses Satzes haben wir in den vergangenen Jahren oft gehört: „Wirtschaftliche Kernfusion? Das geht nicht.“ Proxima Fusion will beweisen, dass auch diese Gewissheit nicht hält.
Der schwierigere Weg
Kernfusion verspricht nahezu unbegrenzte, CO₂-arme Energie. Die Physik ist verstanden. Die eigentliche Herausforderung besteht darin ein über 100 Millionen Grad heißes Plasma dauerhaft zu kontrollieren.
Während viele Entwickler auf Tokamaks setzen, wählt das 2023 aus dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik ausgegründete Münchner Start-up den anspruchsvolleren Weg: den quasi-isodynamischen Stellarator. Dieser ist schwerer zu entwerfen und zu bauen, dafür aber stabiler und einfacher im Kraftwerksbetrieb.
CEO Francesco Sciortino bringt es auf den Punkt:
„Ein Stellarator ist objektiv sehr schwer zu entwerfen und sehr schwer zu bauen. Aber wenn man es schafft, ist er eine einfache Maschine – genau wie ein Mikrowellenherd.“
Warum ausgerechnet jetzt?
Lange galt der Stellarator als zu komplex. Erst heute kommen die entscheidenden Bausteine zusammen:
- Enorme Rechenleistung für komplexe Simulationen
- KI-gestützte Optimierung der Magnetfelder
- Jahrzehnte Erkenntnisse aus dem deutschen Forschungsreaktor Wendelstein 7-X
- Moderne Hochtemperatur-Supraleiter wie YBCO-Bänder
Diese YBCO-Bänder aus Yttrium-Barium-Kupfer-Oxid transportieren Strom nahezu verlustfrei und ermöglichen Magnetfelder, die mit herkömmlichen Materialien kaum erreichbar wären. Große technologische Durchbrüche beginnen oft nicht erst im Reaktor, sondern bei den Werkstoffen.
Future Energy – made in Germany
Proxima Fusion baut direkt auf den Erkenntnissen des Wendelstein 7-X auf, des weltweit fortschrittlichsten Stellarators. Der Fahrplan steht:
- Alpha: Der Demonstrationsreaktor soll beweisen, dass mehr Energie entsteht, als der Betrieb verbraucht.
- Stellaris: Daraus soll das erste kommerzielle Fusionskraftwerk werden.
Der Freistaat Bayern unterstützt das Vorhaben mit zugesagten 400 Millionen Euro.
Ein Stellarator ist schwieriger als ein Tokamak. Gerade deshalb sollte man deutscher Ingenieurskunst zutrauen, ihn zu bauen. Denn wäre es einfach, würde es jeder tun.