NEWS | 2. April 2026

Marktreport Q1/2026 – Das Ende der alten Ordnung – Rohstoffe sind Teil der Sicherheitsarchitektur

Fliegende Drone mit Quaterly Bannerlinks im Bild

Die Preisfrage wird zur Zugriffsfrage

Die EU plant mit „Readiness 2030“ bis zu 800 Milliarden Euro für Verteidigung und militärische Fähigkeiten zu mobilisieren.

Die geopolitischen Spannungen der vergangenen Monate haben die Wahrnehmung von Verlässlichkeit innerhalb bestehender Bündnisse verändert. Insbesondere die zunehmend schwer kalkulierbare US-Politik sorgt in Europa für ein wachsendes Bedürfnis nach strategischer Eigenständigkeit. Die EU reagiert darauf nicht nur mit höheren Verteidigungsausgaben, sondern auch mit einem klaren Fokus auf die Absicherung kritischer Rohstoffe. Neue Partnerschaften, alternative Lieferquellen und eigene Kapazitäten rücken in den Mittelpunkt – als Grundlage für industrielle und sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit.

Horizontales Balkendiagramm mit dem Wertzuwachsvergleich aller NBC Technologiemetalle und Seltene Erden für Q4/2025 und Q1/2026
Horizontales Balkendiagramm mit dem Wertzuwachsvergleich aller NBC Technologiemetalle und Seltene Erden für Q4/2025 und Q1/2026
Horizontales Balkendiagramm mit dem Wertzuwachsvergleich aller NBC Technologiemetalle und Seltene Erden für Q4/2025 und Q1/2026

Geopolitik und Versorgungssicherheit

Venezuela – Rohstoffe, Währungen und geopolitische Interessen

Im Januar 2026 erreichte die geopolitische Lage eine neue Eskalationsstufe: In einer schnellen militärischen Operation griffen die USA Venezuela an und entführten Präsident Nicolás Maduro.
Der Angriff markiert mehr als einen regionalen Konflikt. Er steht am Anfang eines Quartals, in dem sich erneut zeigt, wie eng Rohstoffe, Zahlungsströme und geopolitische Interessen miteinander verwoben sind.
Einige Ökonomen und geopolitische Analysten verweisen in diesem Zusammenhang auf wiederkehrende Muster:
Immer dann, wenn rohstoffreiche Staaten versuchen, sich vom Dollar als Leitwährung im Ölhandel zu lösen oder alternative Abrechnungssysteme zu etablieren, entstehen Spannungen, die häufig von politischen oder militärischen Konflikten begleitet werden.
So kündigte der Irak im Jahr 2000 an, Öl künftig in Euro zu handeln. Auch Libyen verfolgte ab 2009 Überlegungen zu einer goldgedeckten afrikanischen Währung. In den vergangenen Jahren begann Venezuela, Öl verstärkt in alternativen Währungen abzuwickeln, während Russland und Iran alternative Zahlungssysteme nutzen und auch in Saudi-Arabien Diskussionen über Abrechnungen außerhalb des Dollars an Bedeutung gewinnen.
Parallel dazu bleibt der strategische Wert venezolanischer Ressourcen zentral. Venezuela verfügt über die größten nachgewiesenen Ölreserven weltweit, und Beobachter sehen wirtschaftliche Interessen – insbesondere den Zugang zu Energie – als einen wichtigen Faktor im Hintergrund des Konflikts.
Vor diesem Hintergrund interpretieren einige Beobachter die Eskalation im Jahr 2026 nicht nur als isoliertes Ereignis, sondern als Teil eines größeren geopolitischen Spannungsfelds. Im Zentrum steht dabei die Frage, welche Rolle der US-Dollar künftig im globalen Rohstoffhandel spielt – und welche Interessen mit seiner Stabilität verbunden sind.
Für eine vertiefte Analyse dieser Zusammenhänge verweisen wir auf unseren Beitrag:

Das Ende des Petrodollars – Warum Rohstoffe jetzt die wahre Währung sind?

Neue Partnerschaften – Rohstoffzugang wird strategisch organisiert

Trotz anhaltender Widerstände aus Landwirtschaft und einzelnen Mitgliedstaaten treibt die Europäische Union das Mercosur-Abkommen weiter voran. Was lange als klassisches Freihandelsprojekt galt, erhält damit eine neue strategische Dimension.
Für Europa geht es zunehmend nicht mehr nur um Marktzugang, sondern um den gesicherten Zugriff auf kritische Rohstoffe. Länder wie Brasilien und Argentinien verfügen über bedeutende Vorkommen von Lithium, Niob, Graphit und Seltenen Erden – Ressourcen, die für Elektromobilität, Energieinfrastruktur und Verteidigungstechnologien unverzichtbar sind.
Der geopolitische Kontext verschärft diese Entwicklung zusätzlich. Exportkontrollen, Handelskonflikte und die starke Marktstellung Chinas in der Raffination machen deutlich, wie verwundbar bestehende Lieferketten sind. In diesem Umfeld gewinnen Handelsabkommen eine neue Funktion: Sie werden zu Instrumenten der Rohstoffsicherung.
Parallel dazu intensiviert Europa auch bilaterale Partnerschaften mit rohstoffreichen Ländern. Gespräche mit Staaten wie Kasachstan zeigen, dass neben großen Handelsabkommen zunehmend gezielte Kooperationen, Technologietransfer und direkte Lieferbeziehungen aufgebaut werden.
Der Fokus verschiebt sich damit zunehmend – weg vom reinen Handel, hin zur Sicherung von Zugriff. Nicht der günstigste Anbieter entscheidet, sondern der verlässliche Zugang zu Ressourcen.

Einen Beitrag zu einer geplanten wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Kasachstan gibt es hier.

Strategische Reserven und staatliche Eingriffe verändern den Markt

Kritische Rohstoffe rücken zunehmend ins Zentrum staatlicher Strategien. Was lange als Marktfrage galt, wird heute gezielt politisch gesteuert.
In den USA konkretisiert sich dieser Wandel besonders deutlich. Mit „Project Vault“ hat die Regierung eine Initiative im Umfang von rund 12 Milliarden US-Dollar gestartet, um strategische Reserven für kritische Metalle aufzubauen. Ziel ist es, die Abhängigkeit von externen Lieferketten zu reduzieren und die Industrie im Krisenfall gezielt versorgen zu können – vergleichbar mit der Strategic Petroleum Reserve im Energiesektor.
Ergänzend dazu wurde ein überparteilicher Gesetzesentwurf eingebracht, der weitere 2,5 Milliarden Dollar für den Aufbau staatlich koordinierter Rohstoffreserven vorsieht. Der Staat tritt damit nicht mehr nur als Regulator auf, sondern wird selbst zum aktiven Marktteilnehmer.
Auch Australien verfolgt eine ähnliche Strategie. Die Regierung investiert 1,2 Milliarden australische Dollar in eine nationale Rohstoffreserve, die gezielt Materialien wie Gallium, Antimon und Seltene Erden absichert – Rohstoffe, die für Halbleiter, Verteidigungssysteme und Energietechnologien unverzichtbar sind.
Auffällig ist dabei nicht nur das Volumen der Programme, sondern ihr Charakter: Über strategische Reserven, Abnahmegarantien und staatlich koordinierte Investitionen wird versucht, Angebot zu stabilisieren und im Krisenfall Zugriff zu sichern.

Diese Entwicklung wurde auch auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2026 deutlich. Unter dem Titel „Under Destruction“ beschrieben führende Politiker und Experten eine Weltordnung im Umbruch, in der Sicherheit nicht mehr als gegeben vorausgesetzt werden kann. Europa reagiert darauf mit stärkerer Eigenständigkeit, neuen Allianzen und dem gezielten Ausbau seiner industriellen und militärischen Fähigkeiten.
Rohstoffe werden damit nicht mehr ausschließlich gehandelt – sie werden strategisch gesichert. Versorgungssicherheit entwickelt sich von einer wirtschaftlichen Fragestellung zu einem zentralen Bestandteil nationaler Sicherheitsarchitektur.

Auch die Noble Group war bei der Sicherheitskonferenz live vor Ort.

Energie, Eskalation und Kontrolle – wer die globalen Rohstoffströme steuert

Die Eskalation im Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran rückt einen der empfindlichsten Engpässe der globalen Energieversorgung in den Fokus: die Straße von Hormus. Rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls passiert täglich diese Meerenge – ein Großteil davon mit Ziel Asien, insbesondere China und Indien.
Die aktuellen Spannungen zeigen, wie schnell geopolitische Konflikte zu realen Versorgungsrisiken werden. Bereits kurzfristige Störungen führen zu steigenden Energiepreisen, unterbrechen Lieferketten und erhöhen die Unsicherheit an den Märkten. Energie wird damit erneut zu einem geopolitischen Druckmittel.
Gleichzeitig offenbart die Situation eine strukturelle Schwäche des Westens. Strategische Entscheidungen werden zunehmend unilateral getroffen, während die wirtschaftlichen Folgen global verteilt werden. Für Europa stellt sich damit die Frage, wie verlässlich bestehende Partnerschaften in einem Umfeld wachsender geopolitischer Spannungen noch sind.
Parallel dazu tritt ein anderer Akteur immer stärker in den Vordergrund: China. Während westliche Staaten kurzfristig auf Krisen reagieren, verfolgt Peking eine langfristige Strategie. Die Kontrolle über Raffination, strategische Reserven und industrielle Kapazitäten verschafft China eine Position, aus der heraus es globale Entwicklungen maßgeblich beeinflussen kann.
Die Krise im Persischen Golf macht deutlich, dass Rohstoffsicherheit mehrere Ebenen umfasst: Zugang, politische Kontrolle und physische Transportwege. Doch sie zeigt auch, dass die Fähigkeit, diese Faktoren zu steuern, ungleich verteilt ist.
In einer Welt, in der Energieflüsse gestört, Lieferketten politisiert und Bündnisse neu bewertet werden, verschiebt sich das Machtgefüge. Nicht mehr allein militärische Stärke oder wirtschaftliche Größe entscheiden – sondern die Kontrolle über die kritischen Ressourcen und Systeme, auf denen beides aufbaut.

Worin sich Chinas Strategie von der westlichen fundamental entscheidet, könnt ihr hier lesen.

Kontrolle ohne neue Maßnahmen

Im ersten Quartal 2026 kam es zu keinen neuen Exportkontrollen seitens China. Die bestehenden Restriktionen auf kritische Metalle wie Gallium und Germanium blieben jedoch vollständig in Kraft – und entfalten zunehmend ihre Wirkung.
Statt weiterer Verschärfungen zeigt sich eine andere Dynamik: Die bestehenden Instrumente reichen aus, um globale Lieferketten gezielt zu steuern. Exportgenehmigungen werden selektiv vergeben, Handelsströme verschieben sich und einzelne Abnehmerländer erhalten temporär bevorzugten Zugang.
Gleichzeitig zeigt sich ein differenziertes Bild bei Seltenen Erden. Zwar sind die Exportmengen bei einzelnen Metallen gestiegen, doch bleiben die regulatorischen Anforderungen hoch. Für viele Lieferungen muss die genaue Endverwendung offengelegt werden – ein Eingriff, der weit über klassische Handelskontrollen hinausgeht.
Damit entsteht ein strukturelles Problem für Unternehmen: Nicht nur sicherheitsrelevante Industrien wie Verteidigung oder Halbleiter sind betroffen, sondern auch zivilwirtschaftliche Akteure. Wer auf kritische Rohstoffe angewiesen ist, muss zunehmend abwägen zwischen Versorgungssicherheit und dem Schutz eigener Technologien und Geschäftsgeheimnisse.
Die Logik der Märkte verschiebt sich damit grundlegend. Nicht neue Maßnahmen sorgen für Unsicherheit – sondern die konsequente Anwendung bestehender Kontrollen sowie die zunehmende Verknüpfung von Rohstoffzugang und Informationsanforderungen.
China demonstriert damit, dass es keine weiteren Eingriffe benötigt, um Einfluss auf Angebot, Nachfrage und technologische Wertschöpfung zu nehmen. Die Kontrolle über Raffination, Exportprozesse und Endverwendung reicht aus, um globale Lieferketten effektiv zu steuern.

Statt neue Exportkontrollen zu erlassen, führt China staatlich gesteuerte Preisindizes für Seltene Erden wie Neodymoxid und Praseodymoxid ein. Was an dieser Formalisierung der Preisbildung neu ist, lest ihr hier.

Die geopolitischen Entwicklungen spiegeln sich zunehmend in konkreten Projekten wider. Der Aufbau neuer Minen und Verarbeitungsstrukturen wird zum zentralen Hebel, um Abhängigkeiten zu reduzieren.

Minenprojekte

Der Ausbau neuer Rohstoffprojekte gewinnt weltweit an Dynamik – bleibt jedoch deutlich hinter den politischen Zielsetzungen zurück. Während einzelne Akteure ihre Förderung und Verarbeitung erfolgreich ausbauen, zeigt sich bei vielen Vorhaben eine wachsende Lücke zwischen strategischem Anspruch und tatsächlicher Umsetzung.
Neue Allianzen und staatliche Förderprogramme sollen diese Lücke schließen. Doch selbst politisch priorisierte Projekte kämpfen weiterhin mit Genehmigungen, Finanzierung und technischer Komplexität.
Das Ergebnis ist ein widersprüchliches Bild: Fortschritte entstehen dort, wo industrielle Nachfrage, Kapital und politische Unterstützung zusammenkommen. In vielen Fällen verzögert sich jedoch der Übergang von der Planung zur Produktion – und damit der Aufbau unabhängiger Lieferketten.

Status ausgewählter Rohstoffprojekte (Q1 2026)

  • 🟢 Lynas (Australien / Malaysia) – funktionierende Lieferkette außerhalb Chinas
      → Ausbau von Förderung und Verarbeitung, inkl. Kapazitäten für schwere Seltene Erden
  • 🟡 Norra Kärr (Schweden) – strategisch wichtig, aber unsicher
      → Fortschritt im Genehmigungsverfahren, jedoch technische und regulatorische Hürden
  • 🔴 Arafura (Australien) – Verzögerung trotz Priorität
      → finale Investitionsentscheidung (FID) erneut verschoben

Einordnung der Schlüsselprojekte

Lynas nimmt eine zentrale Rolle in der westlichen Rohstoffstrategie ein. Als einer der wenigen Produzenten außerhalb Chinas deckt das Unternehmen nicht nur die Förderung, sondern zunehmend auch die Verarbeitung ab. Mit Unterstützung der USA werden aktuell zusätzliche Kapazitäten aufgebaut, unter anderem für schwere Seltene Erden – ein entscheidender Schritt zur Reduzierung der Abhängigkeit von China.

Norra Kärr zählt zu den wichtigsten Seltene-Erden-Projekten innerhalb Europas – insbesondere aufgrund seiner Vorkommen an schweren Seltenen Erden wie Dysprosium und Terbium. Gleichzeitig verdeutlicht das Projekt die strukturellen Herausforderungen des Standorts: Die Rohstoffe sind in Eudialyt gebunden, dessen Verarbeitung technisch anspruchsvoll und bislang nur begrenzt wirtschaftlich erprobt ist.
Hinzu kommen langwierige Genehmigungsverfahren und politische Widerstände, die die Umsetzung verzögern. Norra Kärr steht damit exemplarisch für die europäische Situation: strategisch relevante Vorkommen sind vorhanden – ihre wirtschaftliche Nutzung bleibt jedoch unsicher.

Arafura verdeutlicht die strukturellen Schwierigkeiten selbst bei priorisierten Projekten. Das Nolans-Projekt wird seit rund zwei Jahrzehnten entwickelt und wurde bereits mit erheblichen öffentlichen Mitteln unterstützt. Dennoch wurde die finale Investitionsentscheidung mehrfach verschoben – zuletzt auf die erste Hälfte 2026.
Dies zeigt, dass selbst strategisch zentrale Projekte weiterhin von Finanzierungs- und Umsetzungsrisiken abhängig sind.

Recycling – der schnelle Hebel

Während neue Minenprojekte Jahre bis Jahrzehnte benötigen, entsteht ein Teil der Lösung bereits innerhalb bestehender industrieller Prozesse.
Ein Beispiel aus der europäischen Industrie zeigt, welches Potenzial hier liegt:
Die BMW Group setzt beim Bau von Batteriezellen auf mechanisches Direktrecycling – nicht erst am Ende eines Produktlebens, sondern bereits während der Produktion.
Produktionsreste und ungenutzte Batteriezellen werden mechanisch zerlegt, sortiert und direkt wieder in die Fertigung zurückgeführt – ohne energieintensive chemische Verfahren und ohne den Umweg über Drittstaaten.
Der Effekt geht dabei weit über Effizienz hinaus:
Wertvolle Materialien bleiben im Kreislauf, der Bedarf an Primärrohstoffen sinkt, Lieferketten werden kürzer und planbarer – und die Abhängigkeit von externen Akteuren nimmt messbar ab.
Recycling entwickelt sich damit zu einem strategischen Instrument der Rohstoffsicherung.
Nicht als Ersatz für neue Projekte – aber als einer der wenigen Hebel, der kurzfristig Wirkung entfalten kann.
Gerade in Europa gewinnt dieser Ansatz an Bedeutung: Während Minenprojekte häufig an Genehmigungen, Finanzierung oder Infrastruktur scheitern, kann Recycling direkt in bestehende industrielle Prozesse integriert werden.
Unabhängigkeit beginnt damit nicht nur im Bergbau – sondern in der Produktion selbst.

Technologie & Nachfrage

Innovations-Spotlights

Technologische Durchbrüche verändern zunehmend die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen. Neue Anwendungen entstehen nicht isoliert, sondern basieren auf hochspezialisierten Materialien, die in immer komplexeren Systemen eingesetzt werden. Besonders in den Bereichen Energie, Robotik und Halbleiter zeigt sich, wie eng Innovation und Rohstoffbedarf miteinander verknüpft sind.

Energieübertragung ohne Kabel

Neue Forschung im Bereich der Quantenmaterialien zeigt, dass Energie künftig nicht mehr zwingend über physische Leitungen übertragen werden muss. Erste Prototypen ermöglichen die Energieübertragung über Licht und könnten damit das Konzept der Energiespeicherung grundlegend verändern.

  • Einsatz von Indium in photonischen und quantenbasierten Systemen
Flexible Antriebe durch flüssige Metalle

Ein neuer Ansatz in der Antriebstechnik nutzt flüssiges Gallium statt starrer mechanischer Komponenten. Durch elektrische Felder wird das Metall in Bewegung versetzt und ermöglicht flexible, kompakte Antriebssysteme.

  • Schlüsseltechnologie für Soft Robotics, Medizintechnik und Miniaturisierung
Effizienzsprung in der Photovoltaik

Moderne Tandem-Solarzellen kombinieren mehrere Halbleiterschichten, um unterschiedliche Spektralbereiche des Lichts effizient zu nutzen. Wirkungsgrade von über 34 % zeigen das Potenzial dieser Technologie.

Wachstumsmärkte

Der steigende Bedarf an kritischen Rohstoffen wird zunehmend durch strukturelle Wachstumsmärkte getrieben. Anders als kurzfristige Nachfragespitzen basieren diese Entwicklungen auf langfristigen technologischen Trends, die über Jahre hinweg stabile Nachfrage erzeugen.

Besonders deutlich zeigt sich dies in zwei Bereichen: der globalen Raumfahrtindustrie sowie der Energiewende. Beide Sektoren wachsen unabhängig von konjunkturellen Schwankungen und erfordern eine Vielzahl spezialisierter Metalle, die nur begrenzt substituierbar sind.
Im Bereich der Satellitentechnologie führt die zunehmende Bedeutung von Kommunikation, Erdbeobachtung und sicherheitsrelevanten Anwendungen zu einem kontinuierlichen Ausbau der Infrastruktur im Orbit. Parallel dazu treibt der globale Ausbau erneuerbarer Energien – insbesondere der Photovoltaik – die Nachfrage nach Hochleistungsmaterialien weiter an.
Gemeinsam ist diesen Märkten, dass sie nicht nur wachsen, sondern gleichzeitig die technologische Komplexität erhöhen. Damit steigt auch die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

CAGR-Prognose (Satelliten & Solar)

  • Satellitenantriebssysteme:
  • Marktvolumen von 11,05 Mrd. USD (2024) auf 23,24 Mrd. USD (2030)
  • CAGR: 13,6 % (2025–2030)
  • Photovoltaik (global):
  • installierte Kapazität von ca. 1,6 TW (2023) auf über 5 TW (2030)
  • CAGR: ~18 % (2023–2030)
  • jährlicher Zubau wächst auf >500 GW
  • steigender Bedarf an Gallium, Germanium und Indium

Fazit: Zugriff entscheidet

Das erste Quartal 2026 markiert eine klare Zäsur: Rohstoffe sind kein klassischer Markt mehr, sondern ein strategisches Instrument geopolitischer Macht.
Die Entwicklungen der vergangenen Monate zeigen, wie eng Rohstoffzugang, technologische Entwicklung und sicherheitspolitische Interessen miteinander verknüpft sind. Staaten bauen strategische Reserven auf, sichern sich gezielt Lieferketten und verlagern wirtschaftliche Entscheidungen zunehmend in den geopolitischen Raum.
Gleichzeitig steigt der strukturelle Bedarf durch neue Technologien weiter an. Innovation, Energiewende und Digitalisierung erhöhen die Abhängigkeit von genau jenen Materialien, deren Versorgung politisch steuerbar ist.
Damit verändert sich die Logik der Märkte grundlegend:
Nicht mehr der Preis entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit – sondern der gesicherte Zugriff.
Für Europa ergibt sich daraus eine doppelte Herausforderung. Neben dem Ausbau militärischer Fähigkeiten wird die Sicherung von Rohstofflieferketten zur Voraussetzung für industrielle und strategische Handlungsfähigkeit. Neue Partnerschaften, eigene Projekte und technologische Kompetenzen entlang der Wertschöpfungskette sind dabei entscheidend.
Rohstoffe entwickeln sich damit zunehmend zu einem geopolitischen Hedge in einer Welt wachsender Unsicherheit.
Zugriff ist Macht.

Handlungsempfehlungen 2026+

  • 🟢 Zugriff strategisch sichern – nicht nur einkaufen
  • langfristige Partnerschaften, direkte Beteiligungen und gesicherte Lieferverträge gewinnen an Bedeutung
  • 🟢 Lieferketten ganzheitlich denken
  • entscheidend ist nicht nur der Zugang zu Rohstoffen, sondern die Kontrolle über Verarbeitung (Midstream), Anwendung (Endstream) und Know-how
  • 🟡 Recycling systematisch integrieren
  • Sekundärrohstoffe als kurzfristig wirksamer Hebel zur Reduzierung externer Abhängigkeiten nutzen
  • 🟡 Diversifizierung aktiv vorantreiben
  • alternative Bezugsquellen außerhalb Chinas aufbauen – auch bei höheren Kosten
  • 🔴 Konzentration in der Raffination bleibt größtes Risiko
  • zentrale Verarbeitungsschritte weiterhin stark in China gebündelt

Strategische Umsetzung: Rohstoffe investierbar machen

Während Staaten strategische Reserven aufbauen und Unternehmen ihre Lieferketten absichern, entstehen auch am Kapitalmarkt neue Ansätze, um den Zugriff auf kritische Rohstoffe zu ermöglichen.
Die Seltene Erden AG verfolgt das Ziel, produktionskritische Metalle gezielt zu erwerben und eine strategische Reserve in Deutschland aufzubauen. Die Bestände werden physisch gelagert, vollständig versichert und ihre Einlagerung transparent und fälschungssicher auf einer öffentlichen Blockchain dokumentiert.
Damit entsteht erstmals die Möglichkeit, über klassische Kapitalmarktinstrumente direkt an der Entwicklung strategischer Rohstoffe zu partizipieren – und gleichzeitig einen Beitrag zur Versorgungssicherheit in Europa zu leisten.
Der Ansatz zeigt:
Rohstoffe sind nicht mehr nur ein Thema für Industrie und Politik – sondern entwickeln sich zunehmend zu einer eigenständigen Anlageklasse mit strategischer Bedeutung.

Expertenkommentar

Rohstoffe sind keine Ware mehr – sie sind Strategie
Andreas Kroll

Die Welt steht unter Strom – und die Rohstoffmärkte reagieren sofort.
Konflikte im Nahen Osten, Spannungen rund um Venezuela und eine zunehmend instabile geopolitische Lage treiben Energie- und Metallpreise nach oben. Doch wer glaubt, das sei bereits der Höhepunkt, unterschätzt die Dynamik.
Denn selbst Charles-Edouard Bilbault von Rothschild & Co Asset Management betont: Wir stehen erst am Beginn eines neuen Rohstoffzyklus.
Getrieben wird dieser von drei strukturellen Kräften:
Erstens die Energiewende – Elektrofahrzeuge, Netzausbau und erneuerbare Energien vervielfachen den Metallbedarf.
Zweitens neue Technologien – Rechenzentren, KI und Elektrifizierung treiben die Nachfrage weiter nach oben.
Und drittens die Deglobalisierung – Lieferketten werden politisch, nicht mehr nur wirtschaftlich gedacht.
Damit richtet sich der Blick zwangsläufig auf China.
Denn die eigentliche Macht liegt nicht im Zugang zu Rohstoffen – sondern in ihrer Verarbeitung. Und genau dort hat sich China über Jahrzehnte eine dominante Position aufgebaut. Mehr als die Hälfte der globalen Raffination, bei kritischen Materialien teilweise bis zu 80 Prozent, liegt in chinesischer Hand.
Ein vollständiger Exportstopp bei Seltenen Erden würde die industrielle Basis des Westens innerhalb kürzester Zeit treffen. Keine Chips, keine Hochtechnologie, keine modernen Verteidigungssysteme.
China ist damit faktisch zum entscheidenden Akteur im globalen Rohstoffsystem geworden.
Europa hingegen liegt zurück.
Nicht, weil es keine Ressourcen gibt – sondern weil die industrielle Infrastruktur fehlt.
Und gleichzeitig wird der wichtigste Partner unberechenbarer.
Die USA unter Trump handeln zunehmend unilateral, treffen Entscheidungen im Alleingang und erwarten anschließend Geschlossenheit. Für Europa bedeutet das: Wir müssen uns breiter aufstellen und neue Partnerschaften aufbauen.
Die Industrie hat diese Realität längst erkannt.
Spätestens seit den Exportkontrollen im vergangenen Jahr ist klar: „Just in time“ funktioniert nicht mehr. Unternehmen suchen nicht mehr den besten Preis – sie suchen Versorgungssicherheit.
Vor diesem Hintergrund entstehen neue Modelle.
Noble Elements ist erstmals dazu übergegangen, physische Rohstoffe gezielt an die Industrie zu verleihen. Ziel ist es, kurzfristige Engpässe zu überbrücken und Unternehmen wieder handlungsfähig zu machen.
Doch Einzelinitiativen reichen nicht aus.
Auf politischer Ebene gibt es erste richtige Ansätze – etwa den Critical Raw Materials Act oder „Readiness 2030“.
Was jedoch fehlt, ist eine konsequent umgesetzte, koordinierte Rohstoffstrategie.

Was jetzt passieren muss:

  • Bündelung industrieller Bedarfe → Nur große Abnahmevolumina schaffen Verhandlungsmacht
  • Mindestpreise und staatliche Kalkulationssicherheit → Nicht zur Marktverzerrung, sondern als Grundlage für Investitionen
  • Diversifizierungsquoten außerhalb Chinas → Nach Vorbild anderer Industrienationen konsequent umsetzen
  • Mehr Tempo bei internationalen Partnerschaften → Projekte in Afrika, Australien oder Zentralasien entscheiden sich jetzt – nicht in fünf Jahren, denn am Ende geht es um mehr als Rohstoffe.

Denn am Ende geht es um mehr als Rohstoffe.
Ohne sichere, diversifizierte Lieferketten verliert Europa nicht nur Materialien – sondern industrielle Wertschöpfung, Arbeitsplätze und technologische Souveränität.

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