Bransons Hinweis zielt auf ein zentrales Frühwarnsystem der Finanzmärkte: die Risikoaufschläge an den Anleihemärkten. Sie zeigen, wie viel Unsicherheit Investoren für tragbar halten. Auffällig ist: Diese Risikoaufschläge sinken – obwohl das globale Umfeld objektiv riskanter wird.
Normalerweise signalisieren niedrige Risikoaufschläge wirtschaftliche Stabilität, geopolitische Entspannung und verlässliche Geldpolitik. Aktuell jedoch verschärfen sich Handelskonflikte, Staaten verschulden sich zunehmend und selbst die institutionelle Unabhängigkeit von Zentralbanken wird politisch infrage gestellt. Dass Risiken dennoch günstiger bepreist werden, deutet weniger auf Stärke hin als auf kollektive Verdrängung.
Psychologisch folgt dieses Verhalten einem bekannten Muster: Solange steigende Kurse Sicherheit suggerieren, werden strukturelle Risiken ausgeblendet. Genau darin liegt die Gefahr. Je länger Marktpreise und Realität auseinanderlaufen, desto abrupter fällt der Moment aus, in dem sie wieder zusammenfinden.
