Stellt euch einen Bauernhof vor, der nicht nur Lebensmittel produziert, sondern gleichzeitig Teil der Energiewende wird.
Das dort anfallende Biogas – ein Gemisch aus Methan und CO₂, das bei der Zersetzung von Gülle und organischen Abfällen entsteht – ist eigentlich ein Klimaproblem: Beide Gase treiben die Erderwärmung stark an, insbesondere Methan. Gleichzeitig steigt der Druck, Emissionen nicht nur zu reduzieren, sondern aktiv aus dem Kreislauf zu entfernen. Laut dem Weltklimarat müssen jährlich zwischen 5 und 10 Gigatonnen CO₂ aus der Atmosphäre entfernt werden, um das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens einzuhalten. Genau hier setzt Reverion an: Das Unternehmen nutzt Biogas zur Erzeugung grüner Energie – und trennt dabei CO₂ ab, um es dauerhaft aus dem Kreislauf zu entfernen.
Das bayerische Startup entwickelt kompakte, modulare Kraftwerke, die direkt dort eingesetzt werden können, wo Biogas entsteht – etwa auf landwirtschaftlichen Betrieben oder in Kläranlagen. Statt das Gas wie bisher einfach zu verbrennen, nutzt Reverion eine spezielle Hochtemperatur-Brennstoffzellentechnologie, um daraus deutlich effizienter Strom zu erzeugen – und gleichzeitig die Grundlage dafür zu schaffen, CO₂ gezielt abzutrennen und weiterzuverarbeiten.
Der eigentliche Durchbruch liegt in der Flexibilität des Systems: Die Anlagen können nicht nur Strom erzeugen, sondern bei Bedarf auch den Prozess umkehren und Energie in Form von Wasserstoff speichern. So wird aus einem klassischen Biogaskraftwerk ein steuerbarer Energiespeicher. Und das Ganze ist erstaunlich kompakt: Eine einzelne Einheit hat etwa die Größe eines Schiffscontainers und kann rund 100 Haushalte mit Energie versorgen – modular skalierbar und direkt vor Ort einsetzbar.
Die Auswirkungen gehen weit über die Technologie hinaus. Aus landwirtschaftlichen Betrieben werden Energieproduzenten, aus Abfall wird eine verlässliche Energiequelle. Gleichzeitig stabilisieren solche Systeme das Stromnetz, indem sie Energie dann bereitstellen, wenn sie gebraucht wird – oder bei Überschuss speichern. Besonders relevant ist jedoch der Klimaeffekt: Methan wird nicht mehr unkontrolliert freigesetzt, und das im Biogas enthaltene CO₂ kann abgeschieden und dauerhaft gespeichert werden. So entsteht ein System, das nicht nur Emissionen reduziert, sondern sie aktiv aus dem Kreislauf entfernt.
Dass hier nicht nur eine Idee entsteht, sondern ein Markt, zeigt sich bereits heute: Unternehmen wie Google, Stripe oder Skims investieren frühzeitig in Technologien, die CO₂ aus der Atmosphäre entfernen sollen – noch bevor diese breit verfügbar sind. Reverion gehört zu den Unternehmen, die davon profitieren: Für die Entfernung von 96.000 Tonnen CO₂ zwischen 2027 und 2030 erhält das Start-up rund 41 Millionen US-Dollar. Insgesamt plant die unter dem Namen Frontier-Koalition bekannte Initiative, bis 2030 rund eine Milliarde Dollar in solche Technologien zu investieren.
Reverion denkt Energie als System statt als Kraftwerk: Sie wird erzeugt, gespeichert und gesteuert – direkt dort, wo sie gebraucht wird. Damit ist Reverion unser Hidden Champion der Woche.
