NEWS | 24. Februar 2026

Europas Rohstoffpolitik unter Druck Zwei Interviews, eine Botschaft: Ohne Tempo verliert Europa industrielle Substanz

Andres Kroll

Die Diskussion um sichere Lieferketten ist längst kein Fachthema mehr – sie ist Kernfrage europäischer Wettbewerbsfähigkeit. Zwei aktuelle Interviews mit Andreas Kroll, CEO der Noble Elements GmbH, unterstreichen diese Dringlichkeit: eines bei Germany Trade & Invest (GTAI) und eines bei POLITICO Pro (Frida Preuß, 19.02.2026).

Beide Gespräche zeichnen ein klares Bild:
Europa verliert Zeit – und damit strategische Optionen.

GTAI: Ohne sichere Lieferketten verlieren wir Jobs und Spitzentechnik

Im Gespräch mit Germany Trade & Invest (GTAI) betont Kroll, dass fehlende Rohstoffsicherheit zunehmend zum Standortnachteil wird. Ohne verlässliche Abnahmegarantien lassen sich westliche Minenprojekte kaum finanzieren. Gleichzeitig scheuen Industrieunternehmen langfristige Verträge aus Sorge vor Preisschwankungen.

Das Ergebnis:
Projekte bleiben unfunded – während China und die USA längst handeln.

Ein möglicher Lösungsansatz, den Kroll skizziert:
Mindestpreis-Garantien oder strategische Lagerhaltung durch den Staat. Nicht als Interventionismus, sondern als Instrument zur Kalkulationssicherheit. Denn:

Ohne Preisgarantie keine Bankfinanzierung.
Ohne Finanzierung keine Mine.
Ohne Mine keine Versorgungssicherheit.

POLITICO: „Europa muss sich beeilen“

Noch deutlicher wird Kroll im Interview mit Frida Preuß von POLITICO Pro:

„Viele unserer mittelständischen Kunden stellen sich die Frage, ob sie ihre Produktion in die USA verlagern sollten – nicht wegen der Strompreise, sondern wegen der unsicheren Rohstoffversorgung zu unkalkulierbaren Preisen.“

Die USA verfolgen eine aggressive Rohstoffstrategie. Sie sichern sich weltweit Minen, bieten Abnahmegarantien und setzen industriepolitische Quoten durch. Europa hingegen verliert Projekte an regulatorischen Hürden.

Ein konkretes Beispiel:
Ein von Noble Elements begleitetes Minenprojekt hätte innerhalb von 18 Monaten hochwertiges Seltene-Erden-Konzentrat liefern können – scheiterte jedoch an Förderregularien. Heute verhandeln die USA und Japan mit denselben Betreibern.

Der Befund aus den internationalen Gesprächen ist eindeutig:

„Langsam müssen sich die Europäer beeilen, sonst bleiben nicht mehr viele spannende Projekte übrig.“

Industrie unter Druck

Die Lage ist bereits spürbar:

  • Große Industriekonzerne suchen Notfallversorgung.
  • Mittelständler produzieren teils unter Auslastung.
  • Strategische Metalle werden geopolitisches Druckmittel.

Seltene Erden und Technologiemetalle sind nicht irgendeine Ware – sie sind Voraussetzung für:

  • Elektromobilität
  • Halbleiter
  • Verteidigungstechnologie
  • Robotik
  • Energiewende

Wer Zugang kontrolliert, kontrolliert industrielle Entwicklung.

Was jetzt nötig ist

Aus beiden Interviews ergibt sich eine konsistente Forderung:

  1. Bündelung industrieller Bedarfe
    Nur große Abnahmevolumina schaffen Verhandlungsmacht.
  2. Mindestpreise und staatliche Kalkulationssicherheit
    Nicht um Märkte zu verzerren, sondern um Investitionen zu ermöglichen.
  3. Diversifizierungsquoten außerhalb Chinas
    Nach US-Vorbild.
  4. Mehr Tempo bei internationalen Partnerschaften
    Projekte in Afrika oder Zentralasien entscheiden sich jetzt – nicht in fünf Jahren.

Fazit

Europa steht vor einer strategischen Entscheidung:
Reagieren oder gestalten.

Ohne sichere, diversifizierte Lieferketten verliert Europa nicht nur Rohstoffe – sondern industrielle Wertschöpfung, Arbeitsplätze und technologische Souveränität.

Die Interviews bei GTAI und POLITICO Pro machen deutlich:
Die Zeit für strategische Rohstoffpolitik ist jetzt.

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