NEWS | 15. Januar 2026

Chinas Preisstrategie für Seltene Erden: Klarheit statt Verschleierung

Symbolbild zur chinesischen Preisstrategie bei Seltenen Erden: Metallbehälter auf einem Erz- und Gesteinshaufen, daneben eine chinesische Flagge, im Hintergrund stilisierte Kurs- und Preischarts als Hinweis auf staatlich gesteuerte Preisbildung.

China ändert derzeit nicht sein Rohstoffmodell. China formalisiert es.
Was viele im Westen als strategische Zäsur wahrnehmen, ist in Wirklichkeit ein Schritt der Offenlegung: Peking macht offiziell, was faktisch seit Jahren Realität ist. Die Kontrolle über kritische Rohstoffe beschränkt sich längst nicht mehr auf Abbau und Verarbeitung – sie umfasst nun offen die Preisbildung selbst.
Neu ist dabei nicht die Macht, die China ausübt. Neu ist, dass sie institutionalisiert wird.

Vom impliziten Einfluss zur formellen Steuerung

Über Jahre hinweg hat China die Preise für strategische Rohstoffe indirekt beeinflusst. Die Instrumente waren vielfältig:

  • Produktionsquoten
  • Exportquoten
  • Umweltauflagen
  • Gezielte Subventionspolitik
  • Konsolidierung staatlicher Akteure

Die Effekte dieser Maßnahmen waren am Markt deutlich spürbar, aber unvorhersehbar.
Mit der Einführung staatlich gesteuerter Preisindizes für Seltene Erden wie Neodym und Praseodym entfällt diese Grauzone nun. Der Einfluss wird nicht mehr nur ausgeübt, er wird benannt. Der Preis entsteht aus einem national orchestrierten System.
China kommuniziert damit unmissverständlich: Der Preis ist kein neutrales Ergebnis – er ist ein strategisches Signal.

Warum dieser Schritt jetzt erfolgt

Der Zeitpunkt für diese Formalisierung ist kein Zufall. Die USA haben schon im letzten Jahr Preisgarantien für Seltene Erden ausgesprochen. Der chinesische Index ist somit nur eine Reaktion auf diese Entwicklung. Die jetzt aufgerufenen Preise sind nahezu identisch mit den Garantiepreisen der USA. China verramscht jetzt nicht mehr seine kostbaren Rohstoffe, sondern macht Kasse!

Der Westen erkennt: Der Markt war nie neutral

Die aktuellen Diskussionen in den G7-Staaten zeigen, dass auch der Westen beginnt, diese Realität anzuerkennen. Themen wie Mindestpreise, Preiskorridore und neue Rohstoffallianzen werden nicht aus einer ideologischen Abkehr vom Markt diskutiert, sondern aus strategischer Notwendigkeit.

Was es jetzt braucht:

Einen europäischen Preisindex! Notfalls gestützt durch die EU-Staaten. Dazu die Verpflichtung der EU-Industrie, an europäischen Rohstoffhandelsplätzen zu europäischen Preisen zu kaufen. Über Quoten hierzu muss diskutiert werden. Mit diesem Mechanismus stärkt man europäische Minen- und Raffinerieprojekte. Wann beweist die EU Handlungsfähigkeit?

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