Trump trifft Xi Jinping: Die Rohstoffmacht sitzt mit am Tisch

Donald Trump empfängt Xi Jinping persönlich am Flughafen. Kurz darauf verkündet US-Finanzminister Scott Bessent eine Verlängerung der Zollpause um zwei Monate bis zum 10. Januar. Peking hatte sich nach Medienberichten zwei Jahre erhofft. Trotzdem reist Xi nicht ohne Druckmittel an: Die USA brauchen chinesische Rohstoffe – und Trump braucht einen Erfolg, den er zu Hause vorweisen kann.
Zwei Monate Aufschub, keine Entspannung
Ursprünglich sollte die Zollpause am 10. November auslaufen. Die Verlängerung soll auch verhindern, dass China seine angekündigten Exportkontrollen für Seltene Erden und weitere kritische Rohstoffe ausweitet. Sie verschafft beiden Seiten Zeit, löst aber keinen der Konflikte.
Für Peking hätte eine lange Zollpause neue Zölle ferngehalten und Zeit für weitere Verhandlungen über Chips verschafft. Auch die Industrie hatte auf mindestens ein Jahr gehofft. Washington hält die Frist trotzdem kurz: US-Finanzminister Scott Bessent kritisiert, China habe frühere Zusagen nicht vollständig eingelöst. Ein vereinbartes Kaufziel für US-Sojabohnen wurde verfehlt; bei Seltenen Erden beklagen die USA weiterhin Probleme mit den Lieferungen. Die zwei Monate verhindern eine unmittelbare Eskalation, ohne Peking schon jetzt eine lange Pause zu garantieren. Für Unternehmen ist das eine Atempause, keine Planungssicherheit.
Zölle sind sichtbar, Exportkontrollen treffen tiefer
Zölle verteuern Waren. Exportkontrollen können verhindern, dass benötigtes Material rechtzeitig ankommt. Wie wirksam dieser Hebel ist, zeigte das Frühjahr 2025: Chinas Beschränkungen für Seltene Erden und Dauermagnete führten in den USA und Europa binnen kurzer Zeit zu Engpässen. Später wurden Lieferungen wieder erleichtert. Über Genehmigungen, Mengen und Lieferzeiten entschied jedoch weiterhin Peking.
Druck entsteht schon vor einem vollständigen Exportstopp. Wenn Freigaben dauern und Mengen schwer kalkulierbar sind, geraten Vorratsaufbau und Produktionsplanung ins Stocken. Chinas Stärke liegt dabei nicht allein in Rohstoffvorkommen, sondern vor allem in der Verarbeitung. Wer die entscheidenden Schritte bis zum einsatzfähigen Material beherrscht, kontrolliert ein Nadelöhr der Industrie.
Der Wettlauf um KI ist ein Wettlauf um Macht
Damit reicht der Rohstoffkonflikt weit über den Handel hinaus. Die USA und China ringen um die Führung bei künstlicher Intelligenz – und damit um wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und militärische Anwendungen. Doch KI benötigt Chips, Rechenzentren und Stromnetze. Robotik und andere Hochtechnologien hängen ebenfalls von kritischen Rohstoffen und hochreinen Vorprodukten ab.
Gallium und Germanium sind für Anwendungen in der Halbleiter-, Kommunikations- und Sensortechnik wichtig. Seltene Erden und Dauermagnete werden unter anderem für Robotik und Elektromotoren benötigt. Der Streit um Chips und der Streit um Rohstoffe sind deshalb keine getrennten Konflikte: Beschränkt eine Seite den Zugang zur Schlüsseltechnologie, kann die andere an der Materialversorgung ansetzen.
Taiwan und Iran: Geopolitik wird zum Preisrisiko
Bei Taiwan zeigt sich, wie unterschiedlich der Zeitdruck verteilt ist. China beansprucht die Insel für sich und drängt darauf, weitere US-Waffenlieferungen zu verhindern; Taiwan hofft auf deren Fortsetzung. Xi kann eher abwarten. Trump hingegen steht vor den Zwischenwahlen unter Druck, greifbare Ergebnisse zu erzielen – etwa verlässliche Lieferungen Seltener Erden oder zusätzliche chinesische Käufe von US-Sojabohnen. Ob daraus ein Zugeständnis bei Taiwan wird, ist offen. Doch Peking muss seine Forderung nicht aufgeben, um weiter über Handel zu verhandeln.
Auch der Iran-Konflikt gehört auf die Gipfelagenda. Spannungen im Nahen Osten können Energiepreise, Seewege und Transportkosten beeinflussen. Nicht jede Krise treibt Rohstoffpreise nach oben. Jede zusätzliche Störung macht verlässliche Lieferungen aber schwerer.
Die Preise zeigen die Anspannung
Wie stark wichtige Materialien inzwischen im Preis gestiegen sind, zeigt der Vergleich: Gallium kostet damit fast sechsmal so viel wie im September 2023. Die Zahlen belegen nicht, dass einzelne Exportbeschränkungen diese Anstiege verursacht haben. Sie zeigen aber, wie teuer der Zugang zu wichtigen Materialien inzwischen geworden ist – während ihre Verfügbarkeit politisch unsicher bleibt.
Preisentwicklung kritischer Rohstoffe in den letzten 3 Jahren

Xi wird seinen stärksten Hebel nicht leichtfertig aufgeben
Das Treffen kann die nächste Eskalation vertagen. Es nimmt China aber weder seine Stellung in der Rohstoffverarbeitung noch seinen Einfluss auf Ausfuhrgenehmigungen. Trump braucht kurzfristig vorzeigbare Liefer- und Kaufzusagen; Xi kann darüber verhandeln, ohne seinen Rohstoffhebel oder seine Forderungen zu Taiwan preiszugeben.
Für Unternehmen folgt daraus eine unbequeme Konsequenz: Selbst wenn die Präsidenten eine weitere Frist vereinbaren, bleibt die Versorgung von politischen Entscheidungen abhängig. Die zwei Monate sind daher keine Lösung, sondern Zeit, diese Abhängigkeit zu verringern – durch zusätzliche Bezugsquellen, belastbare Lagerbestände und Verarbeitungskapazitäten außerhalb Chinas.