Neue Regeln für Seltene Erden: China schafft vor dem 10. November vollendete Tatsachen im Rohstoffmarkt

China verschärft seinen Exportkurs und setzt damit bereits den Ton für die Neuverhandlung der Vereinbarung, die am 10. November ausläuft. Seit dem 15. September können chinesische Staatsbürger bei bestimmten Verstößen gegen Exportkontrollvorschriften an der Ausreise gehindert werden. Nur neun Tage später treffen sich Xi Jinping und Donald Trump in Washington.
Ausreiseverbote bei Verstößen gegen Exportkontrollen
Die neue Verordnung erlaubt den chinesischen Behörden, ein Ausreiseverbot zu verhängen, wenn ein Staatsbürger gegen Exportkontrollen oder Vorschriften zum Technologieexport verstoßen hat und dadurch Chinas industrielle oder technologische Sicherheit gefährdet sein könnte.
Damit betreffen mögliche Konsequenzen nicht mehr nur die Ware oder das Unternehmen. Sie erreichen auch die Menschen, die für solche Geschäfte verantwortlich sind. Für chinesische Händler, Manager und Exportmitarbeiter wird ein möglicher Verstoß dadurch zum persönlichen Risiko.
Das könnte die praktische Durchsetzung der Exportkontrollen verschärfen. Verantwortliche dürften zusätzliche Nachweise verlangen, unklare Geschäfte eher ablehnen und Lieferungen vorsichtiger freigeben. So kann weniger Ware das Land verlassen, ohne dass China einen formellen Exportstopp verhängt.
Der Flaschenhals besteht bereits
Wie eng das Genehmigungssystem schon vor der neuen Verordnung war, zeigte eine Erhebung der Europäischen Handelskammer in China im September 2025. Bei 141 Ausfuhranträgen, in denen die Kammer ihre Mitgliedsunternehmen unterstützte, waren lediglich 19 genehmigt. 121 Anträge waren weiterhin offen, ein weiterer war wegen eines Fehlers abgelehnt worden.
Die Folgen waren damals bereits in Europa zu spüren. Nach Angaben der Europäischen Zentralbank lagen Chinas Ausfuhren von Seltene Erden Magneten im Mai 2025 rund 75 Prozent unter dem Vorjahreswert. Einige Automobilhersteller mussten ihre Produktion unterbrechen.
Die Engpässe reichen weit über die Automobilindustrie hinaus. Windkraftanlagen und Verteidigungstechnik benötigen leistungsfähige Permanentmagnete mit Neodym, Dysprosium oder Terbium. In der Halbleiterindustrie bestehen vergleichbare Abhängigkeiten bei Gallium.
Die neue Verordnung erhöht nun den persönlichen Druck in einem Genehmigungssystem, das bereits durch lange Bearbeitungszeiten und schwer planbare Entscheidungen geprägt ist. Damit wächst für europäische Unternehmen das Risiko weiterer Lieferverzögerungen.
Peking stärkt seine Verhandlungsposition
Das Timing ist bemerkenswert. Am 24. September treffen sich Xi Jinping und Donald Trump in Washington. Wenige Wochen später läuft die Vereinbarung aus, mit der China einen Teil seiner verschärften Exportkontrollen vorübergehend ausgesetzt hat.
Die neue Verordnung nimmt das Ergebnis der Gespräche nicht vorweg. Sie zeigt jedoch, dass China sein Kontrollinstrumentarium unabhängig davon weiter ausbaut. Peking kann bei einzelnen Lizenzen oder Fristen Zugeständnisse machen und gleichzeitig den staatlichen Zugriff auf strategische Exporte verschärfen.
Selbst eine Verlängerung der bisherigen Vereinbarung würde diese neuen Durchsetzungsmöglichkeiten nicht beseitigen. China geht damit mit einem zusätzlichen Druckmittel in die Gespräche.
Unsicherheit wird zum Preistreiber
Für Händler wird es unter diesen Bedingungen zunehmend schwierig, belastbare Preise und Liefertermine zu nennen. Verzögert sich eine Genehmigung, kann zugesagte Ware über Wochen oder Monate gebunden bleiben. Gleichzeitig bestellen Kunden früher und bauen größere Vorräte auf. Dadurch sinkt die frei verfügbare Menge zusätzlich.
Nach den Exportkontrollen vom April 2025 drifteten die Preise innerhalb und außerhalb Chinas weit auseinander. Benchmark Mineral Intelligence bezifferte den nordamerikanischen Preis für Dysprosiumoxid 2025 auf das 4,4 Fache des chinesischen Inlandspreises. Bei Terbium zeigte sich in Europa ein ähnlicher Abstand. Die Internationale Energieagentur stellte ebenfalls fest, dass die Preise in den Importmärkten erhöht blieben, selbst nachdem sich die Handelsmengen teilweise erholt hatten.
Die möglichen Preisreaktionen werden durch die Struktur dieser Märkte verstärkt. Bei Technologiemetallen und schweren Seltenen Erden sind die verfügbaren Mengen klein und die Lieferketten stark konzentriert. Schon ein begrenzter Rückgang des Angebots kann deshalb überproportionale Auswirkungen auf die Preise haben.
Wir werden das Treffen sehr genau verfolgen
Ob sich die Lage weiter zuspitzt oder zunächst entspannt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Die neue Verordnung beweist nicht, dass China seine Ausfuhren weiter reduzieren wird. Sie erhöht aber die Wahrscheinlichkeit, dass bestehende Kontrollen besonders vorsichtig und konsequent durchgesetzt werden.
Entscheidend wird deshalb nicht nur sein, was Xi Jinping und Donald Trump vereinbaren. Ebenso wichtig ist, wie schnell und unter welchen Bedingungen China anschließend Ausfuhrlizenzen erteilt.
Wir werden das Treffen am 24. September und die Entwicklungen bis zum 10. November sehr genau verfolgen und berichten, sobald sich neue Erkenntnisse ergeben.