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ROHSTOFFMÄRKTE | 28.10.2026

Dieses Metall könnte als Nächstes durch die Decke gehen

Preisentwicklung von Germanium und Rhenium seit 2020, illustriert mit Germaniumbarren und Rheniumpellets.

Germanium ist in sechs Jahren um 572 Prozent gestiegen. Hinter dem Preissprung stehen technologischer Fortschritt, ein schwer ausweitbares Angebot und geopolitische Eingriffe. Bei einem anderen Metall sehen wir ähnliche Voraussetzungen – welches das ist, verraten wir am Ende.

Germanium: Ohne schnelle Daten kein KI-Boom

Künstliche Intelligenz braucht nicht nur schnelle Chips. Zwischen Tausenden Prozessoren müssen gewaltige Datenmengen fließen. Dabei stoßen Kupferleitungen mit steigenden Übertragungsraten und Entfernungen an Grenzen. Deshalb werden sie zunehmend durch optische Verbindungen ergänzt und ersetzt: Glasfasern transportieren Daten als Lichtimpulse, mit hoher Bandbreite und geringerem Energiebedarf über größere Distanzen. Germaniumverbindungen helfen dabei, die optischen Eigenschaften vieler Glasfasern einzustellen. Wie schnell die dahinterstehende Infrastruktur wächst, zeigen Zahlen von LightCounting: Der weltweite Umsatz mit optischen Sende- und Empfangsmodulen und verwandten Produkten erreichte 2025 26,8 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 74 Prozent. Für 2026 erwarten die Analysten einen Umsatzanstieg bei Siliziumphotonik-Chips von 110 Prozent. Das sind keine Wachstumszahlen für Germanium selbst, sie verdeutlichen aber die Dynamik eines wichtigen Anwendungsfeldes.

Warum mehr Nachfrage nicht einfach mehr Angebot schafft

Eine boomende Anwendung allein erklärt noch keinen außergewöhnlichen Preisanstieg. Germanium wird überwiegend als Nebenprodukt gewonnen, insbesondere bei der Zinkverarbeitung. Ein höherer Preis führt deshalb nicht automatisch dazu, dass kurzfristig wesentlich mehr Material verfügbar wird. Die Produktion hängt auch von der Verarbeitung anderer Rohstoffe und den vorhandenen Rückgewinnungsanlagen ab. Die Nachfrage kann beschleunigen. Das Angebot kann ihr nicht beliebig folgen. 2023 führte China zusätzlich Exportkontrollen ein. Technologischer Bedarf traf damit auf ein schwer skalierbares Angebot und politische Beschränkungen. Die Preisentwicklung zeigt, welche Dynamik diese Kombination entfalten kann.

Hafnium und Seltene Erden: Wenn Rohstoffe strategisch werden

Germanium ist kein Einzelfall. Hafnium liegt in unserem Sechsjahresvergleich rund 813 Prozent im Plus. Als Hafniumdioxid isoliert es winzige Transistoren und reduziert unerwünschte Stromverluste in modernen Prozessoren. Gadolinium kommt auf rund 747 Prozent; bestimmte Gadoliniumprodukte unterliegen seit April 2025 chinesischen Exportkontrollen. Neodymoxid liegt rund 280 Prozent, Praseodymoxid rund 162 Prozent höher. Beide sind zentrale Rohstoffe für leistungsfähige Permanentmagnete in Elektromotoren und Windkraftanlagen. Unterschiedliche Metalle, unterschiedliche Anwendungen – doch immer wieder treffen industrielle Nachfrage und strategische Bedeutung auf verwundbare Lieferketten.

Scandium: Großes Potenzial ist noch keine Preisgarantie

Dass strategische Bedeutung allein nicht reicht, zeigt Scandiumoxid: Es hat in unserem Sechsjahresvergleich lediglich rund 26 Prozent zugelegt. Dabei könnte Scandium beim weiteren 5G-Ausbau eine Schlüsselrolle spielen, weil es Hochfrequenzfilter leistungsfähiger macht. Zudem verbessert es Aluminiumlegierungen für den zivilen und militärischen Leichtbau. Hohe Kosten und unsichere Liefermengen bremsen jedoch den breiten industriellen Einsatz. Ohne verlässliches Angebot zögern die Abnehmer, ohne verbindliche Nachfrage zögern die Produzenten. Technisches Potenzial muss erst zu tatsächlichem Bedarf werden.

Vier Faktoren machen einen Rohstoff besonders interessant

Aus Germaniums Entwicklung lässt sich keine sichere Prognose ableiten. Sie liefert aber Anhaltspunkte: wachsender industrieller Bedarf, schwer ersetzbare Materialeigenschaften, eine nur langsam ausweitbare Produktion und die Abhängigkeit von einem anderen Rohstoff. Unser Kandidat vereint alle vier Faktoren. Seine Stärken zeigt er dort, wo gewöhnliche Werkstoffe versagen: bei extremer Hitze und mechanischer Belastung. Er steckt in Superlegierungen für Turbinenschaufeln moderner Flugzeugtriebwerke – in Passagiermaschinen ebenso wie in Kampfjets. Luftfahrt und Verteidigung machen ihn damit zu einem strategisch wichtigen Hochleistungsmetall.

Der Engpass liegt im Kupferbergbau

Nahezu die gesamte Primärproduktion dieses Metalls hängt am Kupferbergbau. Doch dessen Ausbau steht vor erheblichen Hürden: sinkende Erzgehalte, steigende Projektkosten und lange Entwicklungszeiten. Die Internationale Energieagentur sieht auf Basis angekündigter Projekte bis 2035 eine mögliche Lücke von rund 30 Prozent zwischen Kupferminenangebot und Bedarf. Daraus folgt nicht automatisch eine entsprechende Knappheit unseres Kandidaten: Auch die Zusammensetzung der Erze, Rückgewinnungsanlagen und Recycling spielen eine Rolle. Es zeigt aber, warum zusätzliche Nachfrage nicht einfach durch zusätzliche Förderung beantwortet werden kann.

Rhenium: Der nächste Kandidat für einen Preissprung?

Das Metall heißt Rhenium – und liegt in unserem Sechsjahresvergleich bereits rund 393 Prozent im Plus. Entscheidend ist für uns jedoch nicht allein die bisherige Preisentwicklung. Es ist das Zusammenspiel aus dem Bedarf der Luftfahrt und Verteidigung, anspruchsvollen Anwendungen und einer Primärproduktion, die weitgehend an einen anderen Rohstoff gekoppelt bleibt. Germanium hat gezeigt, welche Dynamik entstehen kann, wenn technologischer Bedarf auf ein Angebot trifft, das nicht im gleichen Tempo reagiert. Ob Rhenium einen ähnlichen Weg nimmt, bleibt offen. Die entscheidenden Zutaten für einen weiteren Preissprung bringt es mit.

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