Schon in der Vergangenheit hat Donald Trump klargestellt, dass geopolitische Unterstützung nicht ohne Gegenleistung kommt. Dies spiegelt sich aktuell in der erpressten „Partnerschaft“ mit der Ukraine wider – Ausgang ungewiss. Dabei geht es um begehrte Metalle wie zum Beispiel Scandium, das in der Ukraine vorkommen soll. Auch andere kritische Mineralien stehen im Fokus der Partnerschaft. Besonders bemerkenswert ist, dass etliche der ukrainischen Rohstoffvorkommen, die in die Sowjetzeit zurückreichen, ohne ausländische Technologien und Investitionen nicht erschlossen werden könnten. Dennoch bleibt eine Sicherheitsgarantie für die Ukraine aus. Werden sich unter diesen Umständen Ingenieure finden, die den Infrastrukturaufbau begleiten?
Ein Blick auf die USA und die Ukraine
Der geopolitische Wert von Rohstoffen
Die Ukraine ist reich an Ressourcen. Neben Eisen, Nickel und Titan birgt ihr Boden auch Metalle wie Lithium, Platin und das hochgefragte Germanium, ein Schlüsselmaterial für moderne Technologien. Es verwundert nicht, dass diese Schätze zu den vermuteten wirtschaftlichen Hintergründen des Konflikts mit Russland zählen. Obwohl politische und sicherheitsstrategische Motive im Vordergrund stehen, könnte auch die Kontrolle über kritische Rohstoffe eine Rolle spielen. Rohstoffpolitik ist heute mehr denn je Sicherheitspolitik. Und hier zeigt sich eine besorgniserregende Schwäche der Europäischen Union (EU), die nur etwa 2 % der weltweiten Investitionen in die Rohstoffexploration beiträgt.
Die USA und Russland verstehen, welche entscheidende Rolle diese Materialien spielen – nicht nur für industrielle Fortschritte, sondern auch in der Verteidigung und der militärischen Entwicklung. Europa hingegen beobachtet diese Dynamiken ohne einen schnell umsetzbaren Plan, der mit den staatlichen Investitionen und strategischen Partnerschaften der USA oder auch Chinas staatlich kontrollierten Lieferketten und aggressiven Rohstoffsicherungen gleichziehen könnte.
Warum Europa jetzt handeln muss
Die fehlende europäische Strategie ist mehr als eine wirtschaftspolitische Nachlässigkeit. Sie hat direkte Konsequenzen für die Verteidigungsfähigkeit und die wirtschaftliche Stabilität. Technologien, Rüstungsprojekte und Nachhaltigkeitsinitiativen hängen zunehmend von Rohstoffen ab, die so knapp wie essenziell sind. Sich weiterhin allein auf Marktmechanismen oder ausländische Lieferanten zu verlassen, ist ein Risiko, das Europa in Krisenzeiten teuer zu stehen kommen könnte.
Eine „Metall-NATO“, wie sie in der 2020 gegründeten Europäischen Rohstoffallianz (ERMA) ansatzweise angedacht ist, könnte helfen, Europas Abhängigkeit von Drittstaaten zu reduzieren. Auch wenn ERMA keine Verteidigungsallianz ist, verfolgt sie das Ziel, die europäische Versorgung mit kritischen Metallen durch eigene Förderung, strategische Partnerschaften und technologische Innovationen abzusichern. Aber auch bei dieser NATO spielen die USA eine wichtige Rolle, und vielleicht zerfällt sie unter der derzeitigen Trump Administration schon, bevor sie richtig gestartet hat.
Was wir jetzt brauchen
Europa darf nicht länger abseitsstehen, während andere Nationen Schlüsselressourcen sichern. Es ist höchste Zeit für:
- Eine europäische Rohstoffstrategie: Ein systematischer Plan, der nicht nur wirtschaftliche, sondern auch sicherheitspolitische Aspekte einschließt.
- Strategische Investitionen in Forschung, nachhaltige Technologien und heimische Förderung von Rohstoffen.
- Kooperation auf globaler Ebene, um langfristige Lieferkettenpartnerschaften zu sichern und dabei geopolitische Unabhängigkeit zu bewahren.
Der Weg ist klar – Europa muss vom Beobachter zum Akteur werden. Die rohstoffpolitische Souveränität ist ein entscheidender Baustein für Stabilität, Sicherheit und Wohlstand. Wenn wir nicht aktiv handeln, riskieren wir, auch in zukünftigen Schlüsselfragen außen vor zu bleiben.
Jetzt ist der Moment, Europas Platz am Verhandlungstisch zu sichern. Lassen wir ihn nicht ungenutzt verstreichen.