„Wir sind das notwendige Bindeglied zwischen Kapitalmarkt und Rohstoffversorgung"

Ein Gespräch von David Acker (Redakteur der Noble Commodity Group) mit Andreas Pietsch (CEO, Noble BC) und Andreas Kroll (CEO, Noble Elements) über strategische Lagerhaltung, Versorgungssicherheit und die Rolle privater Investoren
Herr Pietsch, Herr Kroll, Seltene Erden sind gerade in aller Munde, nicht zuletzt durch das aktuelle Unternehmens-Interview im Handelsblatt mit Ihnen, das die Bedeutung privater Investoren beim Aufbau von Rohstofflagern unterstreicht. Warum ist das Thema gerade jetzt so dringend?
Kroll: Ich sage es mal so: Die Welt ist aufgewacht. China hat weitere Exportbeschränkungen verhängt, die USA und Japan kaufen gerade den Markt leer, und Europa schaut noch zu oft zu. Seltene Erden stecken in jedem Smartphone, in jedem Elektromotor, in jedem modernen Waffensystem. Wer diese Rohstoffe nicht hat, verliert, und zwar industriell und strategisch. Das ist keine Übertreibung, das ist die Realität, mit der wir täglich arbeiten. Und die Lage wird sich noch zuspitzen: Das aktuelle Abkommen zwischen China und den USA, das die Exportbeschränkungen auf fünf weitere Seltene Erden vorübergehend ausgesetzt hat, läuft im Oktober aus. Was dann passiert, weiß niemand genau. Auch ob dann ebenfalls leichte Elemente wie Neodymoxid und Praseodymoxid betroffen sein werden, ist ungewiss. Aber wir bereiten uns darauf vor.
Pietsch: Und genau da setzt Noble BC an. Wir sehen es als unsere Aufgabe, Menschen an einem Markt zu beteiligen, der bislang institutionellen Großinvestoren vorbehalten war. Der Aufbau strategischer Lager ist kein Luxus. Er ist eine Notwendigkeit!
Herr Kroll, Noble Elements handelt seit zwölf Jahren mit Seltenen Erden. Was hat sich in dieser Zeit grundlegend verändert?
Kroll: Als wir anfingen, war das wirklich ein Nischenmarkt für Experten. Heute ist es geopolitisches Kerngeschäft. Die Preise für kritische Rohstoffe sind explodiert, die Abhängigkeit von China ist für viele Industrien zu einem echten Risiko geworden. Was mich persönlich aber am meisten begeistert: Das Interesse privater und institutioneller Investoren ist enorm gestiegen. Die Finanzwelt hat verstanden, dass Seltene Erden knappe, reale Werte sind. Ähnlich wie Gold, aber mit einem ganz direkten industriellen Nutzen.
Warum braucht es überhaupt strategische Lager? Reicht es nicht, bei Bedarf einzukaufen?
Kroll: Die Lieferketten sind längst gerissen, die Versorgung ist nur noch sporadisch und äußerst unzuverlässig – jetzt schlägt die Stunde der Bevorratung. Strategische Lager geben der Industrie echte Planungssicherheit. Sie sind das Puffersystem zwischen einem volatilen Weltmarkt und dem tatsächlichen Produktionsbedarf.
Pietsch: Wir sind das notwendige Bindeglied zwischen Kapitalmarkt und Rohstoffversorgung und genau deshalb ist das, was wir gemeinsam aufbauen, so wertvoll. Noble BC organisiert die Kapitalseite und bringt Investoren zusammen, die physische Bestände halten. Noble Elements sorgt für den professionellen Einkauf, die sichere Lagerung und die Vermarktung dieser Bestände an die Industrie. Das ist ein Kreislauf, der für alle Beteiligten funktioniert.
Herr Pietsch, was bedeutet das konkret für die Kunden, die bei Noble BC investieren?
Pietsch: Unsere Kunden sind Teil von etwas Größerem und Sinnvollem, und das meine ich ganz ernst. Noble BC und Noble Elements gehören zusammen. Das Konzept funktioniert so gut, weil es mit Noble Elements echte Abnehmer für die Rohstoffe gibt, die unsere privaten Investoren halten. Wenn jemand in physische Seltene Erden und Technologiemetalle investiert, dann trägt er aktiv dazu bei, dass deutsche und europäische Industrieunternehmen Zugang zu diesen Rohstoffen bekommen. Unabhängig von China. Und noch etwas: Wenn die Industrie wirklich Not am Mann hat, können unsere Investoren ihre Bestände unkompliziert verkaufen, während die Industrie ihr Produktionsausfallrisiko deutlich reduziert. Beide Seiten profitieren also direkt voneinander. Das ist kein abstraktes Versprechen, das ist gelebte Versorgungssicherheit, von der alle etwas haben.
Wo werden die Bestände eigentlich gelagert, und was bedeutet das steuerlich für Privatanleger?
Pietsch: Das ist ein Punkt, der für viele unserer Kunden sehr relevant ist. Während Deutschland die Umsatzsteuerfreiheit für Einlagerungen in Zollfreilagern seit dem 09.04.2026 leider abgeschafft hat, lagern wir die neuen Bestände unserer Privatkunden in der Schweiz. Dort ist die Einlagerung weiterhin umsatzsteuerfrei. Das ist kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung, die wir zum Schutz unserer Kunden getroffen haben.
Kroll: Und das macht einen echten Unterschied. In Deutschland wandern gerade alle Marktteilnehmer ins Ausland ab, weil die regulatorischen Rahmenbedingungen es schlicht erzwingen. Wir haben diesen Schritt frühzeitig vollzogen und können unseren Kunden dadurch weiterhin eine saubere, rechtssichere und steuerlich attraktive Lösung anbieten. Die Rohstoffe liegen physisch in ausländischen Lagern, gehören dem Kunden und sind jederzeit nachvollziehbar. Über unsere digitale Mittelverwendungskontrolle, der Finomet, wird jede Einlagerung und jede Bestandsveränderung fälschungssicher dokumentiert und dem jeweiligen Eigentümer eindeutig zugeordnet. So verbinden wir die Sicherheit physischer Lagerung mit einer Transparenz, die in dieser Form am Markt einzigartig ist.
Aber ich sage auch ganz offen: Das Einlagerungsgeschäft in Deutschland ist durch die Anordnung des neuen Umsatzsteueranwendungserlasses seit dem 9. April faktisch tot. Das war eine extrem leichtsinnige Entscheidung. Denn damit wurde die privatwirtschaftliche Pufferlösung, die unsere Volkswirtschaft am Laufen hält, massiv beschnitten. Kapital und Know-how wandern ins Ausland ab. Das schadet uns allen.
Wir waren auf dieses Szenario glücklicherweise vorbereitet. Mit der Seltene Erden AG haben wir ein weiteres Vehikel geschaffen, das den Aufbau strategischer Lager unabhängig von deutschen Zollfreilagern ermöglicht. Die Zeichnungsphase ist mittlerweile erfolgreich abgeschlossen, und wir können jetzt aktiv einkaufen und die Industrie mit den Rohstoffen versorgen, die sie braucht.
Wird es eine zweite Seltene Erden AG geben?
Kroll: Ja. Die Nachfrage ist da, der Bedarf wächst, und wir haben gezeigt, dass das Modell funktioniert. Wer beim ersten Mal nicht dabei war, bekommt eine zweite Chance. Mehr dazu zu gegebener Zeit.
Herr Kroll, Sie haben gesagt, die Finanzindustrie müsse in diesen Markt eintreten. Warum?
Kroll: Weil der Staat es nicht alleine stemmen kann und die Industrie sich schwer damit getan hat, eigene Rohstoffvorräte anzulegen. Wobei ich das ehrlich gesagt auch verstehe: Es war lange Zeit einfach zu günstig, die Ware direkt aus China zu beziehen. Es war bequem und zuverlässig. Aber es war leider eine kurzsichtige Entscheidung, für die die westliche Welt nun einen hohen Preis bezahlt. Es braucht jetzt Kapital, das schnell und flexibel mobilisiert werden kann. Genau das kann die Finanzwelt leisten. Noble BC ist für mich ein Paradebeispiel dafür, wie das in der Praxis aussehen kann: privates Kapital, das einen strategischen Zweck erfüllt und dabei renditeorientiert ist. Das muss kein Widerspruch sein.
Und wie stehen Sie zur staatlichen Lagerhaltung? Braucht es die überhaupt, wenn private Investoren diese Rolle zunehmend übernehmen?
Kroll: Ja, beides hat seine Berechtigung und schließt sich nicht aus. Staatliche Lager sind vor allem für eine Gruppe von Unternehmen absolut existenziell: für die, die es heute noch gar nicht gibt. Ich denke da an zukünftige Start-ups im Verteidigungsbereich, an junge Unternehmen, die an Radartechnologie, Sensorik oder anderen Schlüsseltechnologien arbeiten. Die brauchen ab dem ersten Tag Zugang zu bestimmten Rohstoffen wie Germanium oder Yttrium, und die können nicht jahrelang warten. Der Markt alleine wird diese Lücke nicht schließen. Dafür braucht es staatliche Vorsorge.
Welche Rohstoffe sind aktuell besonders relevant, und wo sehen Sie die größten Chancen?
Kroll: Neodym und Praseodym für Permanentmagnete in E-Autos und Windturbinen, das ist der Massenmarkt der Energiewende. Dysprosium und Terbium für Hochtemperaturanwendungen. Und dann Technologiemetalle wie Germanium, Gallium oder Hafnium für Halbleiter und Verteidigungstechnologie. Bei all diesen Elementen ist die Versorgungslage angespannt, die Nachfrage steigt, und das Angebot außerhalb Chinas baut sich nur langsam auf.
Pietsch: Für unsere Kunden bedeutet das: Sie investieren in Rohstoffe, die wirklich gebraucht werden. Nicht spekulativ, sondern mit realem industriellem Rückenwind. Das ist ein Unterschied, den ich regelmäßig in Gesprächen spüre. Es gibt schon genug völlig sinnfreie Finanzprodukte am Markt! Hier haben wir etwas wirklich Sinnvolles, das Europa und uns alle voran bringt.
Wie sehen Sie die Entwicklung in den nächsten fünf Jahren?
Kroll: Für die Verteidigungsindustrie werden wir in drei bis fünf Jahren alternative Lieferketten etabliert haben, das liegt vor allem daran, dass diese Industrie nicht so preissensibel reagiert. Für die großen Mengen im Bereich Permanentmagnete und Energiewende brauchen wir länger, realistisch gesehen zehn bis fünfzehn Jahre. Aber der Weg ist eingeschlagen. Und eines ist sicher: Was auch immer wir tun, günstiger werden die Rohstoffe nicht mehr. Wer jetzt einsteigt, ist früh dabei.
Pietsch: Ich bin wirklich überzeugt: Wer heute in Rohstoffe investiert, trifft eine der klügsten Entscheidungen der nächsten Dekade. Nicht nur finanziell, sondern auch im Hinblick darauf, wofür dieses Investment steht. Nämlich für die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit Europas. Und damit für die Zukunft der folgenden Generationen.
Ein letztes Wort an alle, die dieses Interview lesen?
Pietsch: Dieses Thema erklärt sich fast von selbst, wenn man es einmal verstanden hat. Niemand muss lange überzeugt werden, dass Abhängigkeit von China ein Risiko ist. Es geht darum, den nächsten Schritt zu gehen: konkret, sicher und steuerlich durchdacht investieren, und dabei gleichzeitig etwas wirklich Sinnvolles tun.
Kroll: Was wir hier tun, ist kein Investment-Trend. Es ist ein Beitrag zur Handlungsfähigkeit Europas. Ich bin seit zwölf Jahren in diesem Markt und ich habe noch nie so eine Klarheit gespürt wie heute: Die Richtung stimmt, die Partner stimmen, und die Zeit drängt. Wer jetzt versteht, worum es geht, und handelt, der ist nicht nur früh dran. Der ist auf der richtigen Seite der Geschichte.
David Acker: Vielen Dank für dieses aufschlussreiche Interview!
Noble BC und Noble Elements, gemeinsam für sichere Rohstoffversorgung und unabhängige Lieferketten in Europa.
Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte: Andreas Kroll und Andreas Pietsch haben ihr Wissen und ihre Erfahrungen aus fast zwei Jahrzehnten im Markt für Seltene Erden und Technologiemetalle in ihrem Buch „Das Kokain der Industrie“ zusammengefasst. Es ist Pflichtlektüre für alle, die verstehen wollen, warum diese Rohstoffe die Welt bewegen, wer die Machtverhältnisse kontrolliert und was das für Wirtschaft, Politik und private Investoren bedeutet. Ein echter Blick hinter die Kulissen eines Marktes, der für die Zukunft unserer Industrie entscheidender ist als die meisten ahnen.