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GEOPOLITIK | ROHSTOFFMÄRKTE | 21.05.2026

Australien drängt China aus seiner Seltene-Erden-Industrie

Australische Flagge am Wolverine-Depot, daneben ausgeblaute chinesische Flagge in einem Erzhaufen.

Australien drängt bereits zum zweiten Mal chinesische Investoren aus seiner Seltene-Erden-Industrie – und zeigt damit, wie ernst der Westen den globalen Rohstoffkonflikt inzwischen nimmt.
Bereits 2024 hatte Canberra chinesische Anteilseigner gezwungen, ihre Beteiligungen am Unternehmen Northern Minerals zu verkaufen. Nun wiederholt sich der Vorgang: Sechs weitere mit China verbundene Investoren sollen ihre Anteile abgeben. Die Geschwindigkeit, mit der sich neue geopolitische Machtblöcke im Rohstoffsektor bilden, nimmt damit spürbar zu.

Der Westen baut eigene Rohstoffketten auf

Im Zentrum steht das Browns-Range-Projekt von Northern Minerals in Westaustralien. Dort liegt mit dem Wolverine-Depot eine der wichtigsten Lagerstätten außerhalb Chinas für Dysprosium und Terbium. Diese schweren Seltenen Erden werden unter anderem für Hochleistungsmagnete, Sensorik, Laser, Windräder und moderne Verteidigungstechnologien benötigt. China kontrolliert bislang nahezu die gesamte Weiterverarbeitung dieser schweren Seltenen Erden.
Genau deshalb fördern die USA und Australien das Projekt inzwischen massiv. Bereits im vergangenen Herbst beschlossen beide Länder einen Rohstoffdeal über 8,5 Milliarden Dollar, um unabhängiger von China zu werden. Auch Europa sucht inzwischen engeren Schulterschluss mit Australien. Erst im März schloss die EU ein Freihandelsabkommen, das europäischen Unternehmen besseren Zugang zu australischen Rohstoffen sichern soll.

Das Wolverine-Depot im Fokus

Das Wolverine-Depot gilt als eine der wichtigsten Lagerstätten Australiens für Dysprosiumoxid und Terbiumoxid. Gerade diese schweren Seltenen Erden sind entscheidend für Hochleistungsmagnete, Windkraftanlagen, Sensorik, Laser und moderne Verteidigungstechnologien. Entsprechend groß ist die strategische Bedeutung des Projekts für westliche Lieferketten.
Dass Australien chinesische Investoren ausgerechnet bei Northern Minerals zurückdrängt, ist deshalb kein Zufall. Canberra und Washington betrachten das Projekt zunehmend als strategischen Baustein für einen Rohstoffmarkt außerhalb chinesischer Kontrolle.

Der November könnte zum Wendepunkt werden

Zusätzliche Brisanz erhält die Entwicklung durch den aktuellen Streit um chinesische Exportgenehmigungen für Seltene Erden. Im November läuft die derzeitige Genehmigungsphase für bestimmte REE-Exporte Richtung Westen aus. Wie es danach weitergeht, ist unklar.
Die USA bereiten sich bereits auf eine weitere Eskalation vor: Ab Januar 2027 sollen in amerikanischen Verteidigungsgütern keine chinesischen Materialien mehr verbaut werden dürfen. Kritische Rohstoffe entwickeln sich damit immer stärker zu einem geopolitischen Machtinstrument.

Ein zweiter Markt entsteht

Der Druck auf China erzeugt zunehmend Gegendruck im Westen. Schritt für Schritt entsteht ein eigener Markt außerhalb chinesischer Kontrolle. Dieser dürfte künftig nicht mehr von chinesischen Preisen bestimmt werden, sondern stärker von Angebot, Nachfrage und geopolitischen Risiken im Westen.
Das Problem: Noch immer konzentriert sich die Weiterverarbeitung schwerer Seltener Erden wie Dysprosium und Terbium fast vollständig auf China. Die Rohstoffwelt bewegt sich damit zunehmend in Richtung zweier getrennter Systeme mit verschiedenen Preisstrukturen: eines unter chinesischem Einfluss – und eines, das der Westen gerade erst aufzubauen beginnt.

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