Amerika reißt die Brücken zu China ein – doch das Rettungsboot steht schon bereit

Oder zumindest wird es gerade in Windeseile gebaut.
Am 18. Juli 2026 berichtete Wallstreet Online über die jüngste Pentagon-Investition: 25 Millionen US-Dollar in Permanentmagnete, Seltene Erden, Gallium und Germanium. Nur zwei Tage später zog Donald Trump mit einer neuen Executive Order die Regeln für kritische Materialien in den Lieferketten der US-Rüstungsindustrie deutlich an.
Ab 2027 wird aus Abhängigkeit ein Beschaffungsproblem
Der Ausstieg erfolgt nicht auf einen Schlag. Mit drei aufeinanderfolgenden Fristen ziehen die USA ihre militärischen Lieferketten schrittweise aus China ab.
30. Juni 2026: Keine direkten Pentagon-Aufträge mehr
Seit diesem Stichtag darf das US-Verteidigungsministerium keine neuen Verträge mehr mit Unternehmen auf seiner sogenannten 1260H-Liste abschließen – einer schwarzen Liste chinesischer Unternehmen, denen das Pentagon Verbindungen zum chinesischen Militär zuschreibt.
Januar 2027: Strengere Herkunftsvorgaben
Von diesem Zeitpunkt an wird bei Neodym-Eisen-Bor- und Samarium-Kobalt-Magneten sowie bestimmten Tantal- und Wolframprodukten grundsätzlich die gesamte Lieferkette betrachtet – vom Abbau über Trennung und Raffination bis zum fertigen Produkt.
Die neue Executive Order verschärft vor allem die Ausnahmen: Sie sollen nur noch gewährt werden, wenn regelkonformes Material nachweislich nicht verfügbar ist und zugleich ein verbindlicher Ausstiegsplan vorliegt.
30. Juni 2027: Auch indirekte Einkäufe werden erfasst
Dann darf das Pentagon grundsätzlich auch keine Endprodukte oder Dienstleistungen mehr beziehen, die von einem Unternehmen auf der 1260H-Liste stammen – selbst wenn sie über Zwischenhändler angeboten werden. Für bestimmte Komponenten in Endprodukten nicht gelisteter Unternehmen bestehen allerdings Ausnahmen.
Die Vorschriften reichen bis nach Europa
Die Vorgaben betreffen nicht nur amerikanische Rüstungskonzerne. Liefert ein europäisches Unternehmen Magnete, Materialien oder Bauteile für einen entsprechenden Pentagon-Auftrag, muss auch diese Lieferung die Herkunftsregeln erfüllen.
Ein in Europa gefertigter Magnet ist daher nicht automatisch China-frei, wenn seine Ausgangsstoffe in China abgebaut, getrennt oder verarbeitet wurden.
Dabei geht es um erhebliche Mengen: In einem F-35-Kampfjet stecken Schätzungen zufolge rund 418 Kilogramm Seltene Erden. Ein Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse benötigt etwa 2,6 Tonnen, ein U-Boot der Virginia-Klasse sogar rund 4,6 Tonnen. Wer solche Systeme bauen, warten und ersetzen will, braucht keine einzelnen Lieferungen, sondern eine dauerhaft belastbare Rohstoffkette.
Das Pentagon finanziert die Alternative gleich mit
Die 25 Millionen US-Dollar für ReElement sind kein isoliertes Investment. Bereits zuvor beteiligte sich das Pentagon mit 400 Millionen US-Dollar an MP Materials und sicherte dem Unternehmen für zehn Jahre einen Mindestpreis für Neodym und Praseodym zu.
Gemeinsam mit Apple baut MP Materials in den USA zudem eine geschlossene Lieferkette vom Recyclingmaterial bis zum fertigen Magneten auf. Darüber haben wir bereits ausführlich berichtet.
Washington drängt China also nicht nur regulatorisch aus seinen militärischen Lieferketten. Die USA stellen zugleich Kapital und Preisgarantien bereit, damit außerhalb Chinas belastbare Alternativen entstehen können.
Ein neuer Markt mit neuen Preisen
Außerhalb Chinas entsteht gerade eine eigene Lieferkette für Seltene Erden – und mit ihr eine neue Preisstruktur. Noch ist dieser Markt jung und entsprechend volatil. Wo sich die Preise langfristig einpendeln, kann niemand seriös vorhersagen. Billiger dürfte eine konsequent China-freie Versorgung jedoch kaum werden.
Selbst chinesisches Preisdumping würde daran wenig ändern. Wer in die betroffenen Lieferketten des Pentagons liefern will, kann nicht einfach zum günstigsten chinesischen Material greifen. Herkunft und Rückverfolgbarkeit werden damit ebenso wichtig wie der Preis.
Für Industrie und Politik folgt daraus eine unbequeme Erkenntnis: Rohstoffsicherheit beginnt vor dem Engpass. Alternative Bezugsquellen, Verarbeitungskapazitäten, Recycling und strategische Vorräte müssen aufgebaut werden, solange Material noch verfügbar ist.
Oder einfacher gesagt: Bei kritischen Rohstoffen ist es derzeit besser, sie zu haben und nicht zu brauchen, als sie zu brauchen und nicht zu haben.